150 Menschen auf Solidaritätskundgebung für Opfer neofaschistischer Morde

Rund 150 Menschen haben sich am Montagabend, dem 28. November 2011, an einer Kundgebung und Demonstration durch die Dortmunder Nordstadt beteiligt. Sie brachten ihr Mitgefühl und ihre Solidarität mit den Familien der Opfer neofaschistischer Mordtaten zum Ausdruck und setzten sich kritisch mit der Rolle des Verfassungsschutzes auseinander.

Die Demonstration führte von der Katharinentreppe durch die Schützenstraße und Mallinckrodtstraße. An dem Kiosk, wo der 39jährige Dortmunder Familienvater Mehmet Kubasik im Jahr 2006 ermordet worden war, hielten die Demonstrationsteilnehmer eine Kundgebung ab und hörten zwei Reden in deutscher und türkischer Sprache.

Danach ging die Demonstration weiter durch die Fußgängerzone Münsterstraße und zurück zum Ausgangspunkt.

Wir dokumentieren die Rede von Tülin Dolutas:

Liebe antifaschistische Freundinnen und Freunde!

Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen – ist das nicht längst klar? Ist die Blutspur der faschistischen Kapitalverbrecher nicht unübersehbar? Schreien die Leichenberge des braunen Terrors nicht zum Himmel?

Wer Ohren hat, kann hören. Wer Augen hat, kann sehen. Wer Verstand hat, kann wissen: Nazis waren und sind Kapitalverbrecher. Sie waren und sind Mörder – in Wort, Schrift und Tat!

Angeblich ist das allen klar. Aber wenn es wieder Tote gibt, ist die Verwunderung groß. Dann werden erstaunte Augen gerieben, man zeigt sich überrascht. Ahnungslos, arglos – wie aus heiterem Himmel gefallen. Alles scheint „unfassbar“, so „furchtbar neu“ zu sein – wie bei Alzheimer-Patienten! Angesichts des allgemeinen Erstaunens, das sich auch jetzt wieder breit macht, könnte man allen Ernstes meinen, dass es so etwas wie mordende Nazis noch nie in Deutschland gegeben hätte. Aus den Augen, aus dem Sinn. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland; die Blindheit auf dem rechten Auge seine stille Begleiterin.

Schon wieder wird das „Wir haben von nichts gewusst“-Geschwätz lauter. Dreist wird behauptet, niemand hätte „das“ ahnen, gesschweige denn wissen können. Die Ahnungslosigkeit ist hochprofessionell organisiert. Es gilt anscheinend das Prinzip: je zuständiger, desto ahnungsloser. Ministerien, Justiz, Polizei und an vorderster Front die als Verfassungsschutz getarnte geheime Staatspolizei, also der komplette deutsche Sicherheitsapparat schwört Stein und Bein, viel dümmer zu sein als es die Polizei erlaubt. Und für diese ihre in der Tat unglaubliche – nämlich unglaubwürdige – Dummheit wollen sie jetzt auch noch mehr Geld! Und nicht zu vergessen: weniger demokratische Kontrolle!

Während wir uns in den letzten Jahren von Politik und Medien immer häufiger die angeblich wachsende Gefahr des „Linksextremismus“ oder gar des „Linksterrorismus“ anhören mussten, konnten Neonazis jahrelang unbehelligt mordend durch ganz Deutschland ziehen – und das Ganze mit Rückendeckung des Geheimdienstes. Schon allein, dass der ehemalige thüringische Verfassungsschutz-Chef Helmut Röwer dem Nationalsozialismus „gute Seiten“ abgewinnen kann und gleichzeitig Antifaschisten als „problematische Leute“ einstuft, zeigt: Der Fisch stinkt vom Kopfe her. Was jetzt enthüllt wird, zeigt nur die Spitze des Eisbergs.

Seit Jahren werden Antifaschistinnen und Antifaschisten kriminalisiert, Migranten mit Gefahr und Terror in einem Atemzug genannt. Auch die Opfer der sogenannten Döner-Morde wurden zunächst unter Generalverdacht gestellt. Die Debatten der politischen Elite über integrationsunwillige Jugendliche und „Kopftuch-Mädchen“ haben die Nazi-Ideologie salonfähig gemacht. Aber der salonfähig seriös auftretende Faschismus ist nicht weniger verbrecherisch. Deshalb fordern wir das Verbot aller faschistischen und rassistischen Organisationen und ihrer Propaganda!

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