Volles Haus beim kulturpolitischen Abend des Bündnisses Dortmund gegen Rechts

Zu einem kulturpolitischen Abend für die Roma und Sinti hatte das Bündnis Dortmund gegen Rechts am Freitag, dem 23. November 2012, ins Wichernhaus in der Dortmunder Nordstadt eingeladen, und viele interessierte Dortmunderinnen und Dortmunder waren gekommen.

Umrahmt von der lebensbejahenden Weltmusik der Roma-Gruppe „Ensemble Varna“ wurden von den Referenten vom Flüchtlingsrat NRW, von Rom e.V., von der Dortmunder Geschichtswerkstatt und vom Straßenmagazin BODO Einblicke in die Geschichte und Verfolgung, aber auch in die Lebensumstände der heute bei uns lebenden Roma und Sinti gegeben. Der Film „Die Wanderhuren von Dortmund nach Stolopinovo“ gab einen ungeschönten Einblick in das Leben von Roma-Frauen und ihren Familien.

Ein Abend voller Kultur und Informationen, der um Aufmerksamkeit und Verständnis, um ein Miteinander statt Ausgrenzung warb.

Wir dokumentieren die Eröffnungsrede von Ursula Richter, einer der Sprecherinnen des Bündnisses Dortmund gegen Rechts

Herzlich willkommen zu unserem kultur-politischen Abend für und mit den Roma und Sinti. Ja, nicht nur für sondern auch MIT. Denn Musik und Kultur werden von Roma-Künstlern vorgetragen: Das „Ensemble Varna“ bringt Weltmusik zu Gehör, Jovan Nicolic liest aus seinen Werken. Also: Seid herzlich begrüßt! Ebenso begrüße ich alle, die heute abend über Geschichte, Kultur und Verfolgung der Roma und Sinti, über ihr Leben heute bei uns informieren. Und natürlich alle, die heute abend den Weg ins „Wichern“ gefunden haben.

„Weil meine Augen dunkel sind und weil mein Haar nicht ist wie deins, verfolgst du mich seit 1000 Jahren schon.“

In diesen Liedzeilen der Sinti-Gruppe „Z“ ist die ganze Geschichte der Roma und Sinti zusammengefasst: die Geschichte der Vertreibung durch die Jahrhunderte, die sie zum „fahrenden Volk“ werden ließ, die Verfolgung, die unter dem Hitlerfaschismus ihren furchtbaren Höhepunkt fand. Über 500.000 Frauen, Kinder und Männer fielen der Mordmaschine der Nazis zum Opfer.

Und heute? Einerseits wurde in Berlin endlich auch ein Mahnmal für die Sinti und Roma errichtet. In feierlichen Reden wurden die Verbrechen, die an diesem Volk begangen wurden, benannt und es wurde die Verantwortung beschworen, die wir den nachfolgenden Generationen gegenüber haben. Andererseits geht die Kriminalisierung ungehemmt weiter – nicht nur an den Stammtischen, nicht nur vor den Flüchtlingsunterkünften, nicht nur von Rechten und Neonazis. Nein, sie kommt aus der Regierung selbst: Einen Tag nach der Einweihung des Mahnmals sprach der Innenminister wieder von „Asylmissbrauch“. Die schlimme Rede von „Scheinasylanten“, von „Wirtschaftsflüchtlingen“ kommt von dort. Sie gibt einer Stimmung Vorschub, die Anfang der 90er Jahre, als die Asyldebatte hochgepuscht wurde, in Brand und Mord endete.

Zwei Nachrichten aus den letzten Tagen zeigen, wie kontrovers die Politik mit dem Thema Roma und Sinti umgeht: Aus Bayern und anderen Bundesländern wird gemeldet, dass Roma in größeren Gruppen ohne Prüfung in ihre Herkunftsländer abgeschoben werden, in Kälte, Elend und Armut, in oft lebensbedrohende Diskriminierung. Dagegen hat das Land Schleswig-Holstein die Sinti und Roma unter den Schutz seiner Verfassung gestellt. Das Land verpflichtet sich, ihre kulturelle Eigenständigkeit und ihr politisches Mitwirkungsrecht zu schützen und zu fördern. Ein Signal für eine bessere Zukunft der Sinti und Roma, das wir zur Nachahmung empfehlen.

Unser Abend soll dazu beitragen, mehr zu erfahren über ihre Geschichte und ihre Kultur, ihre Verfolgung und existentielle Bedrohung. Damit wollen wir Ängste und Schwellen abbauen und mehr Verständnis für die in Dortmund lebenden und zu uns flüchtenden Menschen entwickeln. Wir wollen dazu beitragen, ein Miteinander zu fördern, das auf Verstehen und Respekt aufgebaut werden kann.

Die schönste Brücke dazu ist die Musik, die in der Kultur der Sinti und Roma eine herausragende Rolle spielt. Ich wünsche uns allen einen schönen, nachdenklichen und auch fröhlichen Abend!

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