16. April 1945: Radioansprache der Überlebenden Anita Lasker: „Ich habe alles mit eigenen Augen mit angesehen.“

 

anita_lasker_wallfisch

Quelle: https://www.swr.de

 

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 Anita Lasker-Wallfisch: „Man hofft, solange man atmet“ // © Monika Zucht / DER SPIEGEL // Quelle: http://www.museo-on.com/go/museoon/home/db/exhibitions/_page_id_675/_page_id_539/_page_id_723.xhtm

 

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Anita Lasker // Quelle: youtube.com

 

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v.l.n.r.: Helene Rounder, Anita Lasker und Renate Lasker // Quelle: http://la-loupe.over-blog.net/2014/05/holocaust-uberlebende-auschwitz-erlaubt-keine-ruhrung.html

 

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Quelle: https://www.rowohlt.de/taschenbuch/anita-lasker-wallfisch-ihr-sollt-die-wahrheit-erben.html

 

anita_cello

Quelle: https://www.thestrad.com/cellist-anita-lasker-wallfisch-awarded-obe-in-queens-birthday-honours/1363.article

 

 

Anita Lasker-Wallfisch MBE (geboren am 17. Juli 1925 in Breslau) ist eine deutsch-britische Cellistin und eine der letzten bekannten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Anita_Lasker-Wallfisch

 

 

„Wir hatten noch andere Funktionen. Wir gaben „Konzerte“ – ob man es glaubt oder nicht-, an Sonntagen, manchmal im Freien zwischen Lager A und B oder im Revier. Außerdem mussten wir immer bereit sein, etwas zu spielen, wenn SS-Leute in unseren Block kamen. Sie kamen meistens, um sich von den „Strapazen“ der Selektionen zu erholen, bei denen sie entschieden, wer leben und wer sterben sollte. Bei einer solchen Gelegenheit spielte ich die Träumerei von Schumann für Dr. Mengele, den berüchtigten Lagerarzt.“
(aus: Antia Lasker-Wallfisch: Ihr sollt die Wahrheit erben. Seite 132)

Quelle: http://denktag2006.denktag-archiv.de/Anita-Lasker-Wallfisch.929.0.html

 

16. April 1945 – Bergen-Belsen: Radioansprache der Überlebenden Anita Lasker

 

Anita Lasker gehörte zu den ersten Menschen, die als Zeitzeugen unmittelbar nach der Befreiung von den Verbrechen in den Konzentrationslagern im Rundfunk berichteten. Bevor sie nach Bergen-Belsen gebracht wurde, gehörte sie dem Mädchenorchester von Auschwitz an. Am 15. April 1945 wurde sie aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit, einen Tag später schilderte sie im deutschen Dienst der BBC, was sie erlebt hatte. Nach dem Krieg wanderte sie nach Großbritannien aus, wo sie das English Chamber Orchestra gründete. Anita Lasker-Wallfisch lebt noch heute in London.

 

Transkription:

 

„Hier spricht Anita Lasker, eine deutsche Jüdin. Ich befinde mich mit meiner Schwester seit drei Jahren in Haft. Ich bin politischer Häftling. Ich habe französischen Kriegsgefangenen über die Grenze verholfen. Zuerst wurden wir ins Gefängnis eingesperrt. Meine Schwester wurde zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus, ich zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Nach anderthalb Jahren brachte man uns beide in das furchtbarste Konzentrationslager: Auschwitz.

Ich möchte zuerst ein paar Worte über Auschwitz sagen: Die Auschwitzer Häftlinge, die wenigen, die geblieben sind, fürchten alle, dass die Welt nicht glauben wird, was dort geschehen ist. Dort hat man lebendige gesunde Menschen lebend ins Feuer geworfen. Meine Baracke war ungefähr 20 Meter von dem Kamin, von einem der fünf Kamine, die sich dort befanden, entfernt. Ich habe alles mit eigenen Augen mit angesehen.

Es stand ein Arzt und ein Kommandant bei Ankunft der Transporte an der Rampe, und vor unseren Augen wurde sortiert. Das heißt, man fragt das Alter und den Gesundheitszustand. Die unwissenden Ankömmlinge pflegen irgendwelche Leiden anzugeben und unterschreiben damit ihr Todesurteil. Besonders hat man es auf Kinder und Alte abgesehen. Rechts – links – rechts – links. Rechts ist zum Leben, links ist zum Kamin.

In der Nacht brannte das Feuer bis zum Himmel. Kinder hat man lebendig hineingeworfen, und aus Menschlichkeit pflegte man die anderen zu Vergasen, das heißt zu betäuben. Wenn aber zu viel Arbeit war, pflegte man alle lebendig zu verbrennen. Die Schreie hörten wir bis in unsere Baracke. Dazu wurde immer Musik gemacht. Ich selbst befand mich in der Musikkapelle. Zu den furchtbarsten Dingen wurde Musik gemacht. Besondere Verdienste in Auschwitz um die Juden haben sich Maria Mandel, Margot Drexel/Drechsel und der Kommandant Kramer, der auch in Bergen-Belsen Lagerkommandant war, erworben.

Nach einem Jahr Aufenthalt in Auschwitz – meine Schwester und ich waren sehr krank und sind nur mit Mühe dem Tode entronnen – wurden wir nach Bergen-Belsen geschickt. Bergen-Belsen, was jetzt als das furchtbarste Konzentrationslager bezeichnet wird. Und es reicht bei Weitem nicht an Auschwitz heran. In Bergen-Belsen gibt es kein Kamin. Das heißt, das Elend wird nicht verbrannt, so wie es in Auschwitz war. Hier haben die Leute gehungert. Hier war Typhus, hier war Schmutz, Läuse, keine Hygiene, keine Ambulanz, keine Medikamente. 14 Tage blieben wir ohne Brot. Verpflegung war Rüben mit Wasser, ohne Salz.

Endlich am 15. kam die Befreiung. Die Befreiung, auf die wir drei Jahre lang gehofft haben. Noch können wir es nicht begreifen. Noch glauben wir zu träumen. Wir sehen die Engländer durch das Lager fahren: Menschen, die uns nichts Böses wollen. Menschen, die uns helfen wollen. Wir können es nicht begreifen. Man hat Wasser gebracht, Wasser! Drei Wochen waren wir ohne Wasser. Die Menschen sind verdurstet. Heute früh ist noch eine Kameradin von mir gestorben, angesichts der Befreiung. Meine Eltern sind auch dabei kaputtgegangen.

Aber wir blicken jetzt vorwärts, wir sind voller Hoffnung, voll neuen Mutes. Wir sind befreit. Hoffentlich werden wir doch noch irgendwelche Verwandte wiedersehen.“

 

Aufnahmedatum: 1945

Quelle: Archiv des Südwestrundfunks

Dauer: 3’41

 

Quelle: https://www.swr.de/swr2/wissen/archivradio/juedisches-leben-02-anita-lasker/-/id=2847740/did=14723804/nid=2847740/mtykve/index.html

 

 

Anita Lasker, Radio Testimony from Bergen Belsen, April 1945

Video:

 

30. April 2014

Holocaust-Überlebende„Auschwitz erlaubt keine Rührung“

Renate Lasker-Harpprecht, 90, fasst das Unfassbare in Worte: Ein Gespräch über das große Beispiel der Mitgefangenen Mala, eine Baracke namens Kanada und eine halbe Tafel Schokolade, die ihr bis heute ein schlechtes Gewissen bereitet.
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