3. September 2018: 65.000 in Chemnitz. WIR SIND MEHR !

 

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Wir Sind Mehr

https://www.facebook.com/wirsindmehrwsm/

https://www.facebook.com/events/331690927577698/

 

 

Live auf dem großen Parkplatz an der Johanniskirche in Chemnitz ab 17:00 Uhr:

Die Toten Hosen
Feine Sahne Fischfilet
K.I.Z.
KRAFTKLUB
Marteria & CASPER
Nura030 (SXTN)
TRETTMANN

DJ Ron & DJ Shusta

 

 

Video:
Das Konzert in voller Länge
#wirsindmehr – Chemnitz
Der Redebeitrag von „Bündnis Chemnitz Nazifrei“ kann ab Minute 14:40 angehört bzw. angeschaut werden:

 

 

 

Tausende Menschen ziehen durch Chemnitz, missbrauchen einen sinnlosen Mord für ihre Zwecke und jagen Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe. Es geht ihnen nicht darum zu trauern, sondern ihrem Hass freien Lauf zu lassen.

Tausende Menschen waren aber auch auf der Straße, weil sie diese Hetze nicht hinnehmen wollten. Wir feiern euch dafür. Rassismus darf man nicht unwidersprochen die Straße überlassen. Wir freuen uns, wenn sich noch viel mehr Menschen ihr Herz/ihre Eier fassen und auf die Straße gehen und jene unterstützen, die sich dem Hass immer wieder in den Weg stellen. All den Menschen, die von Neonazis angegriffen wurden und die für Werte wie Toleranz, Respekt und Menschlichkeit einstehen, wollen wir zeigen, dass sie nicht alleine sind.

Zum Anfang der Veranstaltung wird es am Montag eine Schweigeminute geben. Diese Schweigeminute gilt dem Ermordeten Daniel H. Wir erwarten von euch damit respektvoll umzugehen. Bitte teilt diese Nachricht, sodass ein Großteil der Leute davon schon im Vorraus mitbekommt.

Wir sind dort nicht um irgendein Festival oder eine Party zu feiern, sondern um uns mit all den Menschen solidarisch zu zeigen, die von den Neonazis angegriffen wurden. Um unsere Abscheu darüber auszudrücken, dass Menschen so einen Mord instrumentalisieren, um ihren Rassismus freien Lauf zu lassen. Um zu zeigen, dass wir es wichtig finden sich klar und deutlich gegen diesen Rechtsruck in den Parlamenten und auf der Straße zu positionieren!

Wir werden bis Montag hier immer wieder Infos schreiben. Wir wünschen euch aber für heute erstmal viel Erfolg bei den Gegenprotesten des Bündnis Chemnitz Nazifrei. Schließt euch Ihnen an.

Wir sind mehr.
Alle nach Karl-Marx-Stadt! Zusammen!

 

 

Aufstehen gegen rechte Hetze – Solidarität statt Rassismus

Wir sind überwältigt. Als wir vor wenigen Tagen die Idee hatten, gegen die rassistischen Ausschreitungen in Chemnitz ein spontanes Konzert mit klarer Positionierung auf die Beine zu stellen, haben wir mit vielem gerechnet aber nicht mit dem, was heute los war.

#wirsindmehr war als Zeichen in diesen Zeiten gedacht, in denen die Hoffnung oft genug schwindet und man fast verzweifelt angesichts der Informationen und Bilder, die aus diversen Städten – nicht nur aus Chemnitz – kommen.

WIR WAREN EINFACH MAL 65.000 LEUTE!

Wir sind immer noch fassungslos angesichts der vielen Leute, die heute mit aufgestanden sind gegen rechte Hetze und für Solidarität statt Rassismus. Danke an euch alle für die Schweigeminute für Daniel H. und dass ihr Opfern rechter Gewalt gedacht hat.

Danke an das Bündnis Chemnitz Nazifrei – nicht nur für den starken Redebeitrag heute, sondern vor allem für euer alltägliches Durchhalten ebenso wie die vielen coolen Projekte, die heute teils mit Infoständen vertreten waren. Danke auch an all die Leute aus anderen Städten, die in den letzten Tagen in Chemnitz oder anderswo die Proteste gegen Nazis unterstützt haben. An die, die sich tagtäglich dem Rechtsruck entgegenstellen.

Es ist einfach krass, wieviele Leute die Veranstaltung heute unterstützt haben. Von Bands, die schnell bereit waren mit einzusteigen. Über Kulturschaffende, die ihre Zeit und Kraft investiert haben. Bis hin zu Leuten aus antifaschistischen Projekten, die für jede Kleinigkeit ansprechbar waren. Danke an euch alle, egal woher ihr kommt: aus Chemnitz, aus Sachsen, aus anderen Städten und Bundesländern. Ohne euch hätten wir es nicht geschafft. Die seit Jahren stattfindende rassistische Stimmungsmache, die aus der Politik unter anderem durch Asylrechtsverschärfungen auch noch Unterstützung erhält, mündet schon lange in Übergriffen auf Menschen, die nicht in das Weltbild von Rassisten passen. Anstelle sich diesem Rassismus entgegenzustellen und klar Position zu beziehen, wurden die sogenannten „besorgten Bürger“ ernst genommen, ihre Forderungen gar in politische Handlungen umgesetzt. Die Konsequenzen sind tausende Tote im Mittelmeer, gefolterte und gepeinigte Menschen in Lagern außerhalb Europas. Viele derjenigen, die sich diesem Rechtsruck entgegenstellen, werden – gerade in Sachsen – seit Jahren diffamiert, diskreditiert oder gar kriminalisiert. Wir können dieses Agieren aus weiten Teilen der Politik auf Landes- und Bundesebene nur noch als Verantwortungslosigkeit der Verantwortungsträger bezeichnen. Eines müssen wir noch loswerden: in den letzten Tagen wurde von Neonazis und Rassisten, aber auch aus vermeintlich gemäßigteren parteipolitischen Kreisen, Stimmung gemacht gegen unsere Veranstaltung. Wurden einzelne Liedzeilen rausgekramt und genutzt, um uns und unser Anliegen „Aufstehen gegen rechte Hetze – Solidarität statt Rassismus“ zu diskreditieren. In Zeiten, in denen Haltung gefragt ist, macht ihr deutlich wo ihr steht und was eure Priorität ist.

Und zuletzt: klar reicht das Konzert heute nicht aus. Klar kann das nicht alles sein. Klar fehlen viel zu oft Leute auf Demos, bei Aktionen, im Alltag. Aber angesichts des völkischen Aufstands der von AfD bis militant rechtsaussen in den letzten Tagen in Chemnitz versucht wurde, ist es einfach nur beeindruckend, wieviele Menschen heute zusammengekommen sind. Ja, wir wissen dass einige nur wegen des Konzertes gekommen sind, aber wir geben die Hoffnung nicht auf, dass demnächst ein paar mehr auf der Straße unterwegs sind, wenn erneut Neonazis und Rassisten aufmarschieren.

Dass Leute von selbst plötzlich #wirsindmehr Demos mit tausenden Leuten organisieren bzw. organisiert haben, wie beispielsweise in Zürich oder in Neumünster macht Mut. Dass heute 65.000 Leute in Chemnitz auf der Straße stehen und klar zeigen, dass man nicht einverstanden ist mit Rechtsradikalismus, Rechtsnationalismus, Faschismus und Rassismus, hätte vor einer Woche niemand für möglich gehalten. Wir schon gar nicht.

All den Leuten, die heute beim Konzert
waren möchten wir sagen: erhebt eure Stimme im Alltag, auf Demonstrationen und wenn ihr von außerhalb kommt, dann unterstützt die Menschen in den kleineren Städten und Provinzen, welche sich dort engagieren.

Denn #wirsindmehr

 

Bild- und Text-Quelle sowie weitere Informationen unter:

Wir Sind Mehr

https://www.facebook.com/wirsindmehrwsm/

https://www.facebook.com/events/331690927577698/

 

 

 

27.08.2018

Deutschlandfunk Kultur

Interview mit TRETTMANN: rechter Aufmarsch in Chemnitz

 

Stefan Richter (geboren am 9. Oktober 1973 in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz) (Künstlername Trettmann; deutscher Hip-Hop-, RnB- und Dancehall-Sänger)

im Gespräch mit Gesa Ufer (Deutschlandfunk Kultur)

 

(…)

Frau Ufer:
Sie sind in Chemnitz geboren, dort aufgewachsen und auch wenn Sie jetzt in Leipzig wohnen, hat dieser Aufmarsch vom Wochenende Sie wahrscheinlich sehr getroffen. Was ist los in Chemnitz? Wie erklären Sie sich, dass da in so kurzer Zeit so viel Rechtsradikale mobilisiert werden konnten?

Herr Richter:
Ja, das liegt wohl zum einen daran, dass sie gut miteinander vernetzt sind und zum anderen auch daran, dass die Landesregierung halt über Dekaden verschlafen hat, was gegen rechte Strukturen zu tun und der Feind halt immer links steht. So tritt auch die Polizei auf (lacht) und das halt über Jahre hinweg und ja … Deswegen ist die Polizei da auch quasi, ich weiß nicht ob in der Unterzahl, aber kann halt verhältnismäßig wenig tun. Ich hab gehört, es wurden halt Polizeiketten durchbrochen und Polizisten lagen am Boden und so weiter und sofort …, ja, und dann kommt halt das Fußball-Klientel noch mit dazu, die halt besonders gewalttätig sind auch und ja … Das ist dann so´n Mix aus allem.

Frau Ufer:
Sie sind Jahrgang 73. Wie hat sich denn Chemnitz für Sie über die Jahre verändert? Also, gerade das Miteinander. Also, spielte diese Neonazi-Szene zum Beispiel vor der Wende auch schon eine Rolle in Chemnitz?

Herr Richter:
Ja, ist ne lange Zeit, ne? Von 73 bis jetzt (lacht). Meine Wahrnehmung begann ja auch dann erst etwas später. Ja, also, ich hab das nicht wahrgenommen. es gab natürlich so´n latenten Rassismus, den man irgendwie hier und da mal gecheckt hat, so. Was weiß ich: da wurd halt beim Fußball der schwarze Spieler als Brickett bezeichnet oder so, ne. Oder … es gab damals immer so ein Fest des Maschinenbaus, wo ich auch so meine ersten Diskotheken erlebt hab und dies und das. Und da gab´s halt auch schon Gewaltexzesse zwischen Heavy Metal-Fans und Punks oder ähnlichem. Aber so richtig ging das erst los halt so mit den Wendejahren, ne? Als das system quasi gescheitert war und alles was links, rot oder nach Sozialismus oder Kommunismus irgendwie, äh, aussah geächtet oder eben halt falsch war und schlecht war.

Frau Ufer:
Haben Sie denn auch so eine spezielle Ausländerfeindlichkeit da festmachen können bereits in diesen Nachwende-Jahren?

Herr Richter:
Ja voll, natürlich. Bin selbst immer ins ISK, also in Internationalen Studenten Klub gegangen, um eben halt Musik aus Afrika und Hip Hop und Rhythmus und Blues zu hören und äh, da gab´s oft Vorfälle auch, die ganzen Jugendclubs. Also, diese Nachwendezeit war richtig schlimm in Bezug darauf, dass halt Jugendclubs belagert wurden. Es gab immer den nächsten Fascho-Überfall und dies und das. Das waren wilde Jahre so und man war nie gefeit davor quasi seinen letzten Anschluss aufgrund eines Basecaps (lacht), quasi auf´s Maul zu bekommen, ne? Ja.

(…)

 
Quelle:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/rechter-aufmarsch-in-chemnitz-trettmann-latenten-rassismus.2156.de.html?dram:article_id=426579

 

 

 

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